Ricarda Huch - ihre Lebensgeschichte

Ricarda Octavia Huch wurde am 18. Juli 1864 in Braunschweig geboren. In ihrer Familie war der Sinn für Literatur tief verwurzelt, da ihr älterer Bruder und ihre beiden Vettern ebenfalls Schriftsteller waren.

Ihre erste große Liebe war ihr Vetter Richard Huch, der ihre Liebe erwiderte, allerdings mit ihrer Schwester Lilly verheiratet war so dass keine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft bestand. Ricarda entschied sich Braunschweig zu verlassen und siedelte 1887 in die Schweiz über. Schließlich wurde auch das elterliche Haus verkauft, nachdem der Vater verstarb, und Ricarda konnte mit dem Erlös ihr Studium in Zürich finanzieren, das sie als eine der ersten Frauen begann und erfolgreich abschloss. Sie studierte Geschichte, Philologie und Philosophie in Zürich, da reichsdeutsche Universitäten für Frauen erst ab 1908 geöffnet wurden. Als Studentin begannt sie eine intensive Lebensfreundschaft mit der später bekannten Publizistin Marie Baum, die neben Else Hoppe eine bemerkenswerte Biographie der Freundin Ricarda schrieb: Leuchtende Spur (1950)

Ricarda beendete ihr Studium 1892 mit der Dissertation über die Neutralität der Eidgenossenschaften, besonders der Orte Zürich und Bern, während des spanischen Erbfolgekrieges. Ricarda Huch war eine der ersten Frauen, die mit Promotion zum Dr. Phil. abschloss. In den folgenden vier Jahren war sie als Bibliothekarin und Lehrerin berufstätig, da sie inzwischen ihr Oberlehrerexamen abgelegt hatte.

Erste Veröffentlichungen der bis dahin geschriebenen Gedichte und Erzählungen der Schriftstellerin ermöglichte Joseph Victor Widmann. Ihre Werke erschienen allerdings unter ihrem bis 1894 geführten Pseudonym Richard Hugo, da das lesende Publikum am Ton und der Sprache der Gedichte insbesondere hätte Anstoß nehmen können.

In Wien machte sie die Bekanntschaft des Zahnarztes Ermanno Ceconi und heiratete ihn 1898 nach kurzer Zeit des Kennenlernens. 1899 wurde ihre einzige Tochter Marietta geboren.

Nach München siedelten sie 1900 über, wo Ricarda auch endlich ihre Heimat fand. 1906 trennten sich Ricarda und Ermanno in freundschaftlicher Weise voneinander. Zur selben Zeit ließ sich Vetter Richard Huch von Ricardas Schwester scheiden und Ricarda ging 1907 mit ihrer Jugendliebe die zweite Ehe ein, die sich jedoch als unhaltbar erwies und 1911 geschieden wurde.

1926 nahm man Ricarda Huch als erste Frau in die preußische Akademie der Künste auf. Sie kämpfte für geistige Freiheit und wurde dadurch zu einer mutigen Gegnerin des NS-Regimes.

1933 trat sie aus der preußischen Akademie der Künste und Wissenschaften aus, da sie es nicht für richtig befand, dass ?nicht-arische? Mitglieder ausgewiesen wurden.

Im Herbst 1936 siedelte sie nach Jena um.

Nach Beendigung des Krieges lebte sie in der damaligen französischen Besatzungszone in Frankfurt am Main, wo sie durch eine Lungenentzündung geschwächt am 17. November 1947 verstarb.

 

Das literarische Werk Ricarda Huchs umfasst um die 20 Veröffentlichungen.

Ricardas Liebesbeziehungen beeinflussten Werke wie Erinnerungen an Ludolf Urleu den Jüngeren (1893) und Von den Königen und der Krone (1904). In dem ersteren Werk veranschaulicht sie ihre heimliche Beziehung zu ihrem Vetter und Schwager Richard Huch. In den Werken Von den Königen und der Krone (1904) und Der Fall Deruga zeichnet sie das Wesen ihres Mannes Ermanno Ceconi in zwei verschiedenen Gestalten nach. Sie begründete die Neuromantik in ihren Essaybänden Blütezeit der Romantik, 1898 und Ausbreitung und Verfall der Romantik, 1902

Neben dem literarischen Werk veröffentlichte sie auch zahlreiche Bücher mit historischen Themen. Unter anderem erschien 1935 ihre deutsche Geschichte, Band 1: Römisches Reich deutsche Nation. Der zweite Band, Das Zeitalter der Glaubensspaltung wurde verboten. Eine wichtige Dokumentation für die Nachkriegszeit, nämlich Forschungsmaterial der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944, konnte sie nicht mehr fertig stellen.

Meiner Meinung nach hat Ricarda Huch zwei bedeutende Leistungen vollbracht, die auch eine Auswirkung auf die heutige Zeit haben und sie von daher auch heute noch zum Vorbild für junge Menschen machen können:
- Als eine der ersten Frauen studierte sie an einer Universität, allerdings nicht in Deutschland, und setzte sich so für die gleichen Bildungschancen für Frauen ein. Zum damaligen Zeitpunkt war das eine besondere Leistung. Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, dass Frauen nicht die gleichen Bildungschancen wie Männer haben.
- Ricarda Huch war eine Kritikerin des Nationalsozialismus in Deutschland. Sie bezog Position gegen die Faschisten und ihre antisemitischen Gesetze. Sie setzte sich für die Freiheit und Gleichberechtigung ein. Sie zeigte Zivilcourage, die zu jeder Zeit benötigt wird, wenn man Unrecht erkennt.

Cindy Zimmermann (9b), 2006; ein Beitrag in der Schülerzeitung ?S.U.Re?, Nr. 2. Die Homepage des Ricarda-Huch-Gymnasiums dankt für die freundliche Genehmigung der Übernahme dieses Artikels.

Links: Es gibt zu Ricarda Huch im Netz eine sehr gute Biographie vom Deutschen Historischen Museum in Berlin ("dhm"), dort im "lebendigen virtuellen Museum"