Mathe und Sprache – endlich vereint am Ricarda-Huch-Gymnasium

 

„Uli besucht das Ricarda-Huch-Gymnasium, um die Schule auszuzeichnen. Bei diesem Termin stehen ihm 15 Personen gegenüber. Ein Drittel davon sind MathelehrerInnen, die Übrigen sind SchülerInnen. Ihnen wird von ihm zu 100% eine Plakette überreicht. Wie viele SchülerInnen sind an der Übergabe beteiligt?“

Achtung! Nicht aufhören, zu lesen. Wahrscheinlich geht es nach diesem Einstieg den meisten LeserInnen so, dass sie jetzt aufhören möchten zu lesen und denken: „Eine Textaufgabe! Die habe ich auch schon früher nie lösen können.“

Mit dieser Einstellung bei den SchülerInnen des Ricarda-Huch-Gymnasiums soll jetzt Schluss sein. Sie lernen nun im Unterricht Schritt für Schritt passende Strategien zum Umgang mit solchen Aufgaben.

Mit einem Standbild, das eine solche Textaufgaben-Knack-Hilfe darstellt, begrüßten engagierte SchülerInnen der Klassen 5-7 Ulrich Brauner, den Koordinator des BiSS-Projekts für sprachsensiblen Mathematikunterricht.

Mathematiklehrerin Frau Kramza erklärt das SchülerInnen-Standbild: „Jeder Schüler, jede Schülerin, die das Aufstellen solcher Informationsnetze beherrscht, hat keine Angst mehr vor diesem Aufgabentyp und ist in der Lage strukturiert mit der Mathematik in Textaufgaben umzugehen. Die Sprache, welche in der Mathematik stecke, stelle andere Anforderungen als die in den sprachlichen Fächern, da sie hier sehr viel expliziter und verkürzter benutzt werde. In den zwei Sätzen einer Textaufgabe stecken oft so viele Informationen, mit denen Theodor Fontane vielleicht 20 Seiten in einem Roman füllen könne, überspitzt es Frau Kramza zum Schluss.

Solche strukturellen Hilfsgerüste werden SchülerInnen des RHGs im sprachsensiblen Mathematikunterricht an die Hand gegeben. Zusätzlich werden Sprachhandlungen explizit eingefordert statt darauf zu verzichten und sich auf das reine Rechnen zurückzuziehen.

Aufgrund der unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen können immer weniger SchülerInnen problemlos am konventionellen Mathematikunterricht teilhaben.

Erklärungen werden z.B. nicht gut genug verstanden, weil in der Alltagssprache der SchülerInnen viele typische Begriffe und Satzkonstruktionen, die der Mathematikunterricht nutzt, nicht mehr vorkommen.

Dementsprechend fällt zahlreichen SchülerInnen das Reden über Mathematik extrem schwer, ein tieferes Verstehen wird häufig nicht ausreichend aufgebaut. Es fehlen die nötigen sprachlichen Mittel. „Wir können eigentlich gar nicht mehr umhin, neben den mathematischen Inhalten auch die Sprache als Lerngegenstand des Mathematikunterrichts ernst zu nehmen. Nur so kann allen SchülerInnen am Ricarda-Huch-Gymnasium eine Partizipation am Mathematikunterricht ermöglicht werden,“ resumiert Esther Wilks.

Seit zwei Jahren nehmen die Mathematiklehrerinnen Frau Paluch, Frau Friedrich, Frau Kramza und Frau Wilks in ihrer Freizeit an Fort- und Weiterbildungen im Bereich sprachsensiblen Mathematikunterrichts teil. Sie erproben Unterrichtsideen und Hilfestellungen, die von Mathematikdidaktikern der Technischen Universität Dortmund unter Leitung von  Frau Professorin Prediger erstellt wurden.

 

Das Ricarda-Huch-Gymnasium ist jetzt eine BiSS-Schule und erhält dafür die Auszeichnung in Form einer Plakette von Ulrich Brauner überreicht. Herr Brauner koordiniert die Aktivitäten der unterschiedlichen Schulen im BISS-Verbund, ist kompetenter Innovator und Berater für Sprache im Mathematikunterricht und gern gesehener Gast am RHG.

Auf die Frage, was sich hinter der Abkürzung BISS verbirgt, beschreibt er:

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) ist ein bundesweites Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Im Rahmen dieses Programms arbeitet eine Gruppe von derzeit sechs Schulen aus der Emscher-Lippe-Region unter Federführung von Frau Professor Prediger vom Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts der TU Dortmund zusammen. Die Schulen erproben und entwickeln gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Unterrichtsideen für den Mathematikunterricht, bei denen idealerweise die Sprachentwicklung der Schülerinnen und Schüler parallel zur Entwicklung ihrer mathematischen Fähigkeiten verläuft.

Ich freue mich sehr, dass nun auch vier ausgesprochen engagierte Lehrerinnen des RHG in dieser Gruppe mitarbeiten, dass das RHG nun BiSS-Schule geworden ist.

Ich bin begeistert davon, wie kreativ die Methode des Infonetzes hier von den SchülerInnen umgesetzt wurde. So überreiche ich dem RHG ausgesprochen gerne die BiSS-Plakette als Zeichen für diese innovative und engagierte Mitarbeit der Schule. Erwähnt werden sollte auch, dass die Arbeit von allen Gremien der Schule mitgetragen und von der Schulleitung konstruktiv unterstützt wird.“

 

Herr Möller betont als Schulleiter, dass das Ricarda-Huch-Gymnasium eines der wenigen Gymnasien im Verbund sei. Für den Gelsenkirchener Raum sei dies ein Alleinstellungsmerkmal.